Länder

Zehn gedankliche Ideen zur Weltreise

oder Das Reifen eines Weltenbummlergeistes
oder Zehn Denkanstöße, um auszubrechen…

1.
Ich habe gelernt zu leben, zu lachen, zu leiden. Ich habe mich vergessen und entdeckte die Vielfalt anderer. Ich war ein Lebender unter Lebenden. Und ich habe all das wieder verlernt.

Ich fessele mich an meinen heimischen Schreibtisch, verfasse ein Buch über die Welt und träume von der Vergangenheit und der Zukunft. Von Abenteuern, die mein Leben füllten und wieder füllen werden. Doch im Hier und Jetzt daheim finde ich keine Antworten. Nur eine Frage: Warum bin ich hier?

Auf meinen Weltreisen summiere ich mich zu einem kompletten Menschen. Ich bin glücklicher, nahbarer, friedlicher, gereifter. Unterwegs strotze ich vor Lebenskraft. Ich entwickle Energien, die meine Wurzeln in Vergessenheit geraten lassen. Ich bin ein Weltbürger, überall daheim, wo ich gerade den Boden berühre.

Ich bin viel gereist und habe noch mehr entdeckt. Der größte Schatz, den ich gehoben habe, war die Selbsterkenntnis und mit ihr eine neue Dimension. Ich erkannte das Wir in uns Menschen. Denn, egal, ob Guatemalteken, Russen oder Japaner – wir alle leben auf einem Planeten mit großen Ozeanen, ein wenig Landmasse, mehreren Millionen Tier- und Pflanzenarten, sieben Milliarden Menschentieren, die gleicher kaum seien könnten: Sie haben alle zwei mehr oder weniger glückliche Augen zum Sehen, eine dicke Nase zum Riechen und einen breiten Mund zum Küssen. Darunter zwei Arme zum Schütteln und zwei Beine zum Weglaufen.

Mit dieser Weltansicht und ohne Vorurteile erobere ich mir einen Platz in der Welt ohne Kampf, Streit, Diskriminierung. Ich lebe, also bin ich. Was ich verkörpere, zeigen mir alle Menschen, denen ich begegne. Mein eigenes erlebtes Ich packt ein. Meine Reisen nenne ich Lebensschule.

Meine Selbsterkenntnis aus dem Wir bleibt, solang ich reise. Daheim holt sich das Ich meine neue Dimension und zerstört sie mit brutaler Gewalt. Das Wir, das ich ach so schrecklich in uns Deutschen vermisse, verpuppt sich bis zum nächsten Trip und ich bin machtlos dagegen. Ich bin zu Hause angekommen und bewege mich durch eine Gesellschaft, die vor Kälte, Ignoranz und emotionaler Armut verkümmert. Ich könnte leiden, aber ich weiß nicht mehr, wie es geht. Ich müsste darüber herzhaft Lachen, doch ich lache falsch. Ich habe das Leben wieder abgegeben. Ich bin wieder der, den meine Familie, meine Freunde von zu Hause kennen und auch! Lieben lernten. Doch ich fühle mich nicht komplett. Wo ist das Wir?


2.
Meine Heimat, meine Not. Alle Erkenntnisse über mich und meine Beziehungen zu den Menschen in aller Welt sind mit einem Male passé, sobald ich deutschen Boden berühre. Der erste Blick in das ausdruckslose Gesicht eines hiesigen Grenzbeamten lässt mir die Adern gefrieren.

Wir Weltreisenden sind eine kritische Masse. Wir haben die Welt gesehen und wissen, was wir an der Heimat haben. Doch die Daheimgebliebenen ziehen mit dem Loch im Kopf in den Kampf. Ich blicke in Augen, die traurig, verschreckt, leidend sind. Doch wer kann von sich behaupten, tief im Innern wirklich zu leiden? Wer rechtfertigt seine schlechte Laune mit dem Grund, tatsächlich am Abgrund zu stehen? Abgesehen von Schicksalsschlägen, wie Krankheiten oder Tod, passt das Wort „Leid“ nicht unsere Welt in Deutschland. „Selbstmitleiden“ aber schon eher.

„Larmoyanz“ nennen wir das Phänomen, wenn wir zunächst rührselig werden, dann weinerlich oder sentimental überempfindlich – später landen wir beim ausgeprägten Selbstmitleid. Manch einer schafft es sogar zum Psychologen. Ich kenne Selbstmitleid ebenfalls. Ein Beispiel: Ein Lächeln von einem Passanten auf der heimischen Straße bringt mich durch einen ganzen Tag. Vielleicht ist ja alles gar nicht so schlimm, wie ich es mir denke? Doch anschließend sehe ich tagelang kein Lächeln, obwohl ich mit breiter Miene durch die Gassen gehe. Und man sagt doch: Das, was man gibt, bekommt man zurück. Warum funktioniert das in Deutschland nicht? Haben wir das Wir denn alle verloren? Müssen wir zueinander rau und ignorant sein? Spätestens an diesem Punkt setzt mein Leid ein.

Wenn man sein eigenes Leiden provoziert, gibt es prinzipiell nur zwei Chancen: Man lässt sich in der Krise fallen. Oder man steht auf und zieht sich an den eigenen Haaren wieder aus dem Dreck. Der Versuch glücklich zu werden, klappt nicht bei allen. Man arrangiert sich eben mit den Missständen. Doch häufig finden wir in genau dieser Gruppe eine dritte, schmerzhafte Variante. Exemplare, die ihr Selbstmitleid in Ignoranz und Distanz umtauschen. Die ihr Herz samt Mantel irgendwann an der Theatergarderobe abgegeben haben. Sie wollen einfach über den Dingen stehen, sich von den grauen Gesichtern des Tages nicht trüben lassen, nach dem Motto: Was gehen mich die Anderen an? Die kalte Gesellschaft der Einzelgänger nimmt seinen vorprogrammierten Lauf: Es ist eine Erfolgsgeschichte in der modernen Welt.

Diese Sonderlinge schießen wie Pilze aus dem Boden. Hier ein Napoléon, da ein Nero, oft alle Egoisten. Verwirrte Menschen, die sich Ihrer selbst nicht bewusst sind und damit anderer erst recht nicht.


3.
Ich sehe nur noch Sonderlinge herumlaufen. Deutsche, die wahre Werte völlig ins Abstruse ziehen. Auf die eigenen vier Wände sind viele stolz und halten daran fest. An Materiellem. Leute, das ist ein Haus! Nicht mehr, nicht weniger. Davon gibt es viele auf der Welt. Nichts um darauf stolz zu sein. Stolz könnte man höchstens auf sich selbst werden, wenn man das Haus mit seinen eigenen Händen errichtet hat. Aber den Mut zur Eigeninitiative zeigen nur wenige. Denn Ängste, etwas falsch machen zu können, und fehlendes Selbstvertrauen attackieren die Courage.

Warum verlieren wir den Stolz und füttern ihn mit Materiellem? Oder haben viele von uns noch nichts an sich erkannt, was sie selbst stolz machen könnte? Selbstmitleid lässt grüßen. Nationale Depression.

Den Satz: „Wenn der Chef nicht meckert, dann ist alles in Ordnung“, kennen die meisten Angestellten aus dem FF. Denn Komplimente, positive Zukunftsaussichten und erfüllte Träume, Dinge also, die unseren eigenen Stolz aufbauen könnten, kreisen nur noch sehr selten in unserer Welt. Und wir sind selbst schuld daran. Der kleine Mann hat sich zum Nero empor geschwungen und handelt wie die Großen. Ignorant, nicht mehr nach links und rechts schauend. Doch wenn wir uns alle keine Komplimente mehr geben, die Zukunft schwarz malen, Träume nur träumen und nicht leben, woher sollen wir dann das Selbstvertrauen, woher den Stolz nehmen? Woher soll die Selbsterkenntnis kommen, wenn niemand uns reflektiert und sagt, das war gut und das war weniger gut? Müssen wir dann zwangsläufig zum Herrscher über andere werden, nur um das unsichere Ich zu kaschieren?

Es gibt viele Menschen, die glauben, sie haben ihren Stolz erkannt. Doch wer dann sein Haus, seinen Beruf, seine lächerliche Position in den Mittelpunkt seiner Person stellt, der hat nicht gelernt. Nicht sich selbst erfahren und auch nicht das Leben, wie es ist: pur, rau und ungezähmt. Ich breche aus diesem Teufelskreis aus. Ich will wieder raus, will ich selbst sein: pur, rau und ungezähmt. Voller Leidenschaft und Emotionen. Ein Mensch im Wir. Ich will weit, weiter, am weitesten von Euch Scheinstolzen wegreisen! Setzt mich im dichtesten Dschungel aus, entführt mich in die trockendste Wüste – ich bin zu allem bereit!


4.
Ich bin einer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Ich schwamm in Vulkankraterseen, tauchte in allen Ozeanen dieser Welt und scheute mich auch nicht, bei McDonalds, Burger King und Co die Morgendusche abzulegen: Katzenwäsche neben stinkenden Toiletten. Ich bin ein Streuner.

Ich habe keine Angst: nicht vor der Natur, nicht vor ihren Gewalten. Das Einzige, was mir die Adern gefrieren lässt, ist der Mensch. Ich unterwerfe mich ungern menschengemachten Regeln. Weder Regeln von Mama noch Regeln von Vater Staat. Und schon gar nicht von denen, die von oben herab befehlen, als seien sie der Nabel der Welt. Auf Reisen kann ich diesen Zerrbildern Ihrer selbst aus dem Weg gehen. Doch daheim bin ich dem selbst verordneten Führertum hilflos ausgeliefert. Im Arbeitsleben, wie auf der Straße. Oberbefehlshaber umzingeln mich. Eine Welt voller Napoleons.
Treffe ich auf diese Art von Gesellschaft, setzt in mir sofort eine Art Verpuppung ein. Der Maskenball Deutschland lähmt erst mein Wir. Später begräbt es jede Erkenntnis vom Zusammenleben, die ich auf Weltreisen gewonnen habe. Ich frage mich: Wann werde ich endlich wieder zum Schmetterling? Wann kann ich mein Wir mit nach Hause nehmen? Wann werde ich den Tag erleben, an dem ich von einer Reise zurückkehre und nicht wieder der Alte bin: Falk Werner, Anfang dreißig, müde und auf der Suche nach irgendetwas. Mit Augenringen, die bis zu den hängenden Mundwinkeln reichen.

Meine Gegenwehr wird schwächer. Je länger meine Füße auf heimischem Boden stehen, desto wackliger wird das „Konstrukt“ Falk. Wie nur kann ich diesen Verfall aufhalten? Warum funktioniert der Mensch Falk in diesem System nicht so, wie ich ihn auf Weltreisen kennen und lieben lernte?

Passe ich nicht in die Welt? Doch: hundertprozentig! Aber nicht mehr in die heimische Welt. Ich baute mir ein Leben in Costa Rica, Malaysia, Neuseeland auf und ich funktionierte. Ich saß mit Indern, Chilenen, Guatemalteken an einem Tisch und ich fügte mich ein. Ich lebte mit der Gesellschaft. Nur in Deutschland schwimme ich immer wieder gegen den Strom? Weil wir Deutschen eben nicht so sind wie viele andere Völker. Wir haben uns massenhaft zu Sonderlingen erhoben und arrangieren uns damit. Die degenerierte Gesellschaft verbaut sich ein harmonisches Zusammenleben. Wer gegen den Strom schwimmt, erntet zunächst Bewunderung und findet sich später auf dem Abstellgleis wieder. Ich muss abtauchen!


5.
Ich versuche mich mit all diesen noch so komplizierten Umständen zu arrangieren, will eine Stellung in der deutschen Gesellschaft gewinnen. Vielleicht hilft mir das weiter und ich könnte als Schmetterling wirklich überall existieren? Sogar zu Hause. Ich suche, ich probiere zu leben, ich atme tief und falle tiefer. Ein Leben in diesem Raum gibt es für mich nicht mehr. Ich kann keine Position beziehen. Ich bin ein Schiff im Sturm. Navigationslos und auf das Ende hoffend. Aber ich sinke nicht. Ich überstehe den rauen Wellengang bis zum Schluss. Bis ich wieder ausbrechen kann. Ich will reisen!

Ich muss mich von allem trennen, was mir lieb und teuer ist. Materielle Dinge: die Wohnung, meine Erinnerungsbox mit Liebesbriefen von Ex-Freundinnen, mein Bett. Kein Problem! Ich habe ja eigentlich nichts mehr, denn ich habe mich seit über zehn Jahren meines Weltreisens von vielen materiellen-, aber auch ideellen Werten verabschiedet. Manches Mal, weil es Geld brachte, wenn mein Bankkonto leer war, ich aber trotzdem losziehen wollte. Ein anderes Mal, weil ich allen irdischen Krempel loswerden wollte. Nur wenig ist mir geblieben.

Aber auch die Familie muss mir den Laufpass geben. Gebt ihn mir endlich, lasst mich frei! Seht ihr mich nicht verhungern? Meine Emotionen verkümmern daheim. Ich will mit Menschen lachen, die aus purer Freude lachen. Ich will leiden wie ein Fisch ohne Wasser. Lasst mich leben!


6.
Schluss mit allem Spuk. Die Geister habe ich nicht gerufen. Sie sind in mein Leben getreten, ohne dass ich es wollte. Kampfansage gegen den irregeführten Stolz! Ich muss mich von all euren Belanglosigkeiten entfernen.

Ich habe versucht, mich in eure Welt einzuleben. Ich habe Fernsehen geschaut, Gesellschaft gesucht, gelesen. Doch ihr treibt mich zum Wahnsinn. Der Fernseher bleibt aus, auf eure banalen Gespräche kann ich verzichten und auf eure Literatur leider auch. Für sie ist das Papier zu schade, auf dem der Schwachsinn gedruckt steht. An meinem Hintern staut sich die Druckerschwärze von Dutzenden Büchern. „Frauen verstehen in 60 Minuten“, „Kapitalismus – Eine Liebesgeschichte“ oder „Mein Tagebuch 1998-2000“ von Helmut Kohl. Unsere Buchhandlungen sind verloren im grenzenlosen Schwachsinn. Die wenigen Glanzlichter liegen verschüttet unter all euren Belanglosigkeiten.

Dieses Konzept der irregeführten Menschen, der mit Schwachsinn gefütterten Masse, ist gewollt. Wir nennen es, Verdummung der Menschheit, Rückschritt, Abbau. Das System nennt es Stabilisierung. Belanglosigkeiten sollen unser Leben nähren. Denn Dummheit lässt sich meist einfacher steuern. Der Abbau des Bildungssystems hat Hochkonjunktur. Doch was ein Großteil der Bevölkerung bereits begriffen hat, dem folgen keine Taten. Das Verdummen geht fröhlich weiter. Belanglosigkeiten werden nicht belangloser, sondern füllen immer weiter unsere Gesellschaft und erfüllen damit ihren Zweck. Sie machen uns krank. Es ist Zeit, diese falsch verschriebene Pille abzusetzen und sich auf eine heilende Kur zu begeben. Eine Weltreise als Therapieform würde ich jedem verschreiben, denn sie ist nachhaltig.


7.
Stürzen wir uns in das Abenteuer! Wir geben das Haus, die Wohnung, die materiellen Lasten auf und öffnen uns das Tor zur Welt. Wir packen unsere sieben Sachen und ziehen einfach los: Wir machen eine Weltreise!

Wer den Klub der Backpacker betreten und den Verstand auf neue Weltansichten programmiert hat, der erhält Einsicht in diese chaotische Welt. Alle Erfahrungen mit fremden Völkern, mit sich selbst, lassen unseren Geist erblühen und neue Ideen strömen in uns ein. Ein kollektives Selbstvertrauen erwacht.

Weltreisende sind oft andere Menschen. Sie setzen sich selbst nur wenige Grenzen und blicken auf Menschen, die die Grenzen manchmal überschreiten, gelassen und verständnisvoll. Denn Mut fängt dort an, wo Mauern im Kopf niedergerissen werden. Und Mut ist eine Tugend, die man bewundern kann. Eine Weltreise kann nur an Mutlosigkeit und eigenen Grenzen im Kopf scheitern. Diese müssen überwunden werden, denn sie sind hausgemacht. Sätze wie: „Du kannst dies nicht, Du kannst das nicht!“, prägen die Gesellschaft.

Die Manipulation der Köpfe wird durch Ängste ferngesteuert. Ein Beispiel am Totschlagargument Nummer 1: das Geld. Eine Weltreise muss keinen Cent kosten. Man kann sie zu Fuß zurücklegen, mit dem Fahrrad, als Tramper. Wer sich gern in warmen Gefilden aufhält, der ist mit einem Zelt, das er überall aufstellen kann, wo Gras wächst, bestens beraten. Und wer freundlich an eine Haustür klopft und nach einer Mahlzeit oder einem Glas Wasser fragt, der ist in der Welt herzlich willkommen. Der große Irrglaube, für eine Weltreise Tausende Euro hinblättern zu müssen, ist falsch. Es gehört lediglich Mut und Selbstvertrauen dazu, sich auf den Weg zu begeben. Und wer am Ende das Abenteuer bestanden hat, der wird seinen ehrlichen Stolz gefunden haben.


8.
Legen wir die Grenzen des scheinbar Unmöglichen ab, denn alles was wir wollen, ist möglich! Manchmal denke ich mir, ob man das Lied „Freiheit, Freiheit ist das Einzige, was zählt“ von Marius Müller Westernhagen in „Freiheit ist die Einzige, die quält“ umdichten müsste. Nutzen wir unsere Freiheit, anstatt sie mit Belanglosigkeiten anzureichern, für das Projekt Weltreise. Egal, ob Du alt oder jung, krank oder gesund, arbeitslos oder karrieregeil bist: Wir kommen alle an unser Ziel. Manchmal dauert es länger. Der ein oder andere wird Steine in den Weg gelegt bekommen. Du wirst vor Glück oder Unglück schreien. Du wirst vor Freude oder vor Schadenfreude lachen. Doch eines wirst Du erkennen: Du bist ein Mensch. Hast Du erst das begriffen, gibt es Dir die Möglichkeit zu erforschen, was für ein Mensch Du bist und woran Du arbeiten kannst:

Die Menschen sind böse; eine traurige und fortdauernde Erfahrung erübrigt den Beweis; jedoch, der Mensch ist von Natur aus gut, ich glaube, es nachgewiesen zu haben; […] Man bewundere die menschliche Gesellschaft, soviel man will, es wird deshalb nicht weniger wahr sein, dass sie die Menschen notwendigerweise dazu bringt, sich in dem Maße zu hassen, in dem ihre Interessen sich kreuzen, außerdem sich wechselseitig scheinbare Dienste zu erweisen und in Wirklichkeit sich alle vorstellbaren Übel zuzufügen.

(Jean-Jacques Rousseau)


9.
Seitdem ich mit 18 Jahren das erste Mal weit weg war von zu Hause, habe ich die Hoffnung an ein Leben in Deutschland aufgegeben. Denn ich habe mich von der ersten Reise an selbst erkannt. Stück für Stück ein bisschen mehr. Dabei stand ich an der Klippe. Ein Absprung vom Falk als Weltbürger hätte ich wohl noch bis zu meinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr hinbekommen. Die kleinen Selbsterkenntnisse waren Balsam für die Seele und recht reizvoll, um immer mal wieder den Rucksack zu schnüren und loszuziehen. Kein Drang, keine Not, kein Lebenselixier stellte das Reisen dar. Doch dann trat auf einer einjährigen Weltreise das Wir in mein Leben. Die besagte Dimension, mit der ich mir diesen Spuk einhandelte, immer wieder ausbrechen zu wollen.
Wie eine schlupfreife Raupe im Cocoon quäle ich mich in die Freiheit und zerstöre die erdrückende Enge, die mein Leben in Deutschland prägt. Damit ich als Schmetterling das Licht der Welt erblicken kann. Die Trümmer lasse ich liegen. Die Aufräumaktion vertage ich auf später. Es geht wieder los: das Weltreisen!

Ich muss das pure Leben finden, so wie es tatsächlich ist. Nur dann kann und will ich auch neues Leben in die Welt setzen. Mein erstes Baby wird vermutlich kein Neugeborenes. Meine Babys sind meine Nachbarn, Freunde, Verwandte und Facebook-Kontakte. Und Du. Ich reise auch für Dich. Um Dir am Ende das Leben zu zeigen und um Dir Deine eigenen Belanglosigkeiten um die Ohren zu schmettern, damit Du begreifst, dass nicht ich völlig durchgeknallt, abgehoben und abgeschrieben bin. Ich will Dir Leben einhauchen. Das wahre Leben. Nimm meine Gedanken als Geschenk an und packe sie nicht wie viele Weihnachtspräsente gleich wieder zur Seite.

10.
Sieh die kommenden Weltreisetexte als Notfallmedikament gegen das Gefangensein in Dir selbst und eine kranke Gesellschaft, die wir verändern können, aber aus Gründen, die jeder für sich herausfinden muss, nicht tun. Ob es fehlende Motivation, Desorientierung oder Mutlosigkeit ist – vielleicht auch alles zusammen – wird Dir das bewusste Reisen zeigen. Eine Weltreise ist pure Magie.

Schreibe mir Deine persönliche Entwicklung, Deine Gedanken! Werde Weltreisender und verschaffe Dir ein kritisches Bild vom Leben in anderen Völkern.

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