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Der große Finanztest zur Weltreise: Budgetplanung

In diesem Finanztest findest Du Ideen, wie Du Deine Finanzen auf Deiner Weltreise planen könntest. Zunächst kreisen wir das Weltreise-Budget ein und diskutieren anschließend die Option, mit der Weltreise Geld zu verdienen. Weltreise-Jobs sind die sicherste Option, um Deine Reisekasse aufzubessern. Wir berichten über Freiwilligenarbeit und das WOOFen, bei denen Du vielleicht nicht reich wirst, aber im Gegenzug Kost und Logis erhältst.

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Inhaltsverzeichnis

Weltreise-Budget planen

Weltreise-Budget

Über Geld spricht man ja eigentlich nicht. Und doch interessiert es gerade diejenigen, die es nicht haben, aber trotzdem Reisen wollen. Weltreisende also, die auf das Abenteuer hinsparen wie die Irren, nur noch trocken Brot essen, im Winter die Heizung auslassen und im Sommer an isotonischen Getränken sparen, sich dafür aber den Schweiß vom Körper lecken. Echte Sparfüchse eben.

Auf meiner ersten Weltreise (2006) betrug mein Weltreise-Budget 12.000 Euro. Das war das Budget, das ich für das komplette Jahr einplante. 1000 Euro pro Monat inklusive aller Flüge, Hotels, Mietwagen, Essen, Souvenirs. Purer Luxus also. Da für uns Bürger alles immer teurer wird, rechnen wir für die kommenden Jahre glatt mit 15.000 Euro für eine komfortable einjährige Weltreise. Natürlich richtet sich das Weltreise-Budget auch nach den Reisezielen. So sind Länder wie Nicaragua oder Indien, in denen Rucksackreisende durchaus von 350 Euro einen ganzen Monat leben können, günstiger, als die USA oder Kanada, wo schon allein ein Schlafeckchen in einem Mehrbettzimmer teils 30 Euro kostet. Auch die Fortbewegung muss geklärt werden. Sind Busse eine Alternative, der Zug oder ein Mietauto. Zum Teil ist sogar der Kauf eines Autos vor Ort günstiger, da man es später wieder verkaufen kann.

Die Frage nach dem Weltreise-Budget richtet sich zwangsläufig also immer danach, wie man unterwegs ist. In Singapur traf ich einen Russen, der seit drei Jahren ohne einen Cent durch die Welt reist. Er läuft zu Fuß und trampt manchmal. Oft schläft er im Zelt und selten im Haus. Doch er ist glücklich. Wir Weltreisenden haben alle etwas gemeinsam: Wir können, ob arm oder reich, ein solches Abenteuer unternehmen. Jeder aber eben auf seine Weise.


Weltreise-Jobs: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Wer in Foren und auf Internetseiten schreibt, es würde zu schwer sein, Weltreise-Jobs anzunehmen, der muss sich an die restriktiven deutschen Gesetze halten, die es ihm verbieten, Schwarzarbeit zu bewerben. Ich distanziere mich selbstverständlich auch von der Idee, im Ausland schwarz zuarbeiten. Da es aber unglaublich viele Weltenbummler tun, werde ich darüber berichten.

Weltreise Job

Weltreise-Jobs gibt es wie Sand am Meer. Im Ausland vertrauen Dir viele kleinere- und mittlere Unternehmen wie Bars, Promotionagentur, Reiseunternehmen, etc. auf Anhieb. Denn Du bringst mit, was viele inländische Arbeiter nicht bieten können: Eine gute europäische Bildung, etwas Disziplin und Pünktlichkeit sowie Serviceorientiertheit. Das lernen wir daheim meist von der Pike auf, bewusst oder unbewusst. Deshalb bist Du gefragt, egal wo Du bist.

Doch es gibt ein Problem: Du musst Dich, um einen Weltreise-Job im Ausland annehmen zu dürfen, registrieren, meist musst Du ein Arbeitsvisum beantragen. Das ist zeitaufwendig und kostet den Arbeitgeber und Dich Geld.

Jedes Land hat allerdings einen gewissen Teil an Schwarzarbeitern, die keine Steuern zahlen, weil sie auch nirgends registriert sind. Ein Weltreisender, der im Ausland einen Job sucht, muss teils hohe Hürden überwinden, um eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Da der Mensch an sich ein freies Wesen ist, richten sich nicht alle nach Gesetz und Ordnung.

Ob Mittel- oder Südamerika, Südostasien oder Neuseeland – Schwarzarbeit funktioniert fast überall und wird dort als Alltagsgeschäft betrachtet, da es auch kaum verfolgt wird. Vor allem in Hotels, Restaurants, Bars und Hostels findet man leicht einen illegalen Weltreise-Job, der natürlich auch gering entlohnt wird. Man muss sich bewusst sein, dass der Stundenlohn außerhalb der Industriestaaten bei durchschnittlich zwei Dollar pro Stunde liegt. Schwarzarbeiter erhalten oft noch weniger.

Legale Weltreise-Jobs

Wer Weltreise-Jobs sucht und einer legalen Beschäftigung nachgehen möchte, muss restriktive Visumvorschriften beachten. Am einfachste sind diese Visa in Australien, Neuseeland, Japan und Kanada zu bekommen. Für eine Arbeitserlaubnis in Australien oder Neuseeland googlet man nach Working-Holiday-Visum. Wer unter 30 Jahre alt ist, hat kein Problem das WHV zu bekommen. Die Bedingungen, die beide Länder an den Reisenden stellen, sind akzeptabel: Man darf maximal 6 Monate für denselben Arbeitgeber tätig sein und nebenbei mehrere Monate studieren. Falls man zwischenzeitlich mindestens 3 Monate in der Landwirtschaft gearbeitet hat, darf das Visum sogar ein zweites Mal beantragen. Einziger relevanter Unterschied: In Neuseeland ist es mit dem Working-Holiday-Visum verboten, in einem Bordell zu arbeiten. Die Australier haben sich da nicht so pingelig.

Kanada bietet im sogenannten „Youth Mobility Program“ ein Work-And-Travel-Visum an. Über das Programm können auch bis zu 35-Jährige eine Arbeitserlaubnis in Kanada erhalten und damit einen Weltreise-Job annehmen. Im Gegensatz dazu steht Japan. Wen ein Working-Holiday-Visum in Fernost interessiert, der darf nicht älter als 25 Jahre sein. Wegen der Sprachprobleme ist Japan oft auch die letzte Wahl der Weltenbummler, die im Ausland arbeiten wollen. Work-And-Travel in Japan ist vor allem etwas für diejenigen, die besonders viel Lust auf Abenteuer haben. Denn: Anders als bei Australien und Neuseeland gibt es für Japan noch keine Organisation, die den Work-And-Travel-Aufenthalt organisiert. Somit setzt ein Besuch viel Eigeninitiative und Durchschlagen voraus, um Weltreise-Jobs zu organisieren.


Freiwilligenarbeit auf Weltreise

Auf der einen Seite leben die egoistischen Menschen unter uns, auf der anderen Seite gibt es mittlerweile die, die ihren Helferkomplex in alle Welt tragen. Freiwilligenarbeit auf Weltreise boomt und wird leider allzuoft von Unternehmen schamlos ausgenutzt. Vorsicht!

In einigen Ländern hat sich mittlerweile die Situation ergeben, dass Du für Freiwilligenarbeit auf Weltreise kräftig zahlen musst, damit Du helfen darfst. Offensichtlich ist der Druck aus der europäischen Arbeitswelt auf die Menschen so groß geworden, dass sie annehmen, sich mit solchen Arbeiten, Qualifikationen erkaufen zu können.

Träume zerschlagen sich für weniger Betuchte zum Beispiel in Indonesien, wenn man den Orang-Utans helfen möchte. Einwöchige Kurse, oder wie es die Webseiten deklarieren: Freiwilligenarbeit, gibt es ab 600 US-Dollar, Elefantenpflege in Thailand bringt es mancherorts auf 50 US-Dollar pro Tagestour. Diese Preise gelten vor Ort.

Freiwilligenarbeit im Netz

  • stepin.de
  • Praktikawelten.de
  • travelworks.de
  • freiwilligenarbeit.de
  • studentsgoabroad.com

In Deutschland haben Firmen die Not zur Tugend gemacht und bewerben offensiv Freiwilligenarbeit auf Weltreise, um damit Geld zu verdienen. Wer von Deutschland so eine Elefanten-Pflege für eine Woche über das Internet bucht, zahlt nicht 7 Tage 50 US-Dollar, also rund 300 Euro, sondern schlappe 650 Euro. Dafür organisiert Dir der Dienst nur das, was Du Dir vor Ort hättest selbst zusammenstellen können.

Ein anderes Beispiel kommt direkt aus dem Journalismus. Denn auch hier versucht man, Freiwilligenarbeit ab 1000 Euro zu verkaufen. Mit einem „Journalismus“-Angebot lockt ein Unternehmen potenziell Interessierte nach Costa Rica und schreibt: „Engagiere dich bei einer Tageszeitung oder einem Online-Magazin in der Nähe von Heredia. […] Es kommen abwechslungsreiche Aufgaben auf dich zu, ob Recherchearbeit, Fotos knipsen, Interviews führen oder natürlich Journalismus Artikel verfassen, es wird nie langweilig!“ Grundvoraussetzung ist, dass Du „Grundkenntnisse in Englisch“ vorweisen kannst. Dass in Costa Rica spanisch gesprochen und auch geschrieben wird, scheint hoffentlich den angehenden Journalisten, wenn schon nicht den Entwicklern des Angebots, aufzufallen. Der Fairness halber sei gesagt, dass dieser Dienst auch eine Spanischlernschule für diese Zeit im Programm hat.

Genieße solche „Freiwilligenarbeit auf Weltreise“ mit Vorsicht. In einigen Bereichen wird damit offensichtlich Missbrauch betrieben. Sobald Du für eine Arbeit mehr als das ausgibst, was Du für Essen und eine Unterkunft bezahlen würdest, werde misstrauisch und hinterfrage das Angebot.


WWOOFen auf Weltreise

Freiwillig verschreiben sich einige Weltreisende der Sklaverei, nur um im Ausland arbeiten zu können. World-Wide Opportunities on Organic Farms heißt WWOOF, bei dem freiwillige Helfer während ihrer Weltreise auf Farmen schuften und dafür kostenlos Mahlzeiten und ein Bett bekommen.

Die Organisation dahinter vermittelt lediglich diese fragwürdigen Weltreise-Angebote. Insgesamt nehmen Tausende ökologische Bauernhöfe in 100 Ländern am Programm teil. Im Gegensatz zu den kostenintensiven Freiwilligenarbeiten muss der Teilnehmer nur eine geringe Gebühre an diese Organisation bezahlen. Bereits seit 1987 gibt es den deutschen Ableger des britischen Projekts. WWOOF-Deutschland ist als gemeinnütziger Verein “Freiwillige Helfer auf ökologischen Höfen e.V. “ eingetragen.

Mindestvoraussetzungen für das WWoofen ist, dass Du an einem Projekt zwei oder mehr Tage teilnimmst. Landwirtschaftliche oder gärtnerische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

2014 finden via Facebook über 100.000 Menschen die Seite „WWOOF“ toll. Ein klares Bekenntnis: Sklavenvermittlung ist ab sofort gesellschaftsfähig!


Sponsoren für die Weltreise suchen

Unterwegs trifft man immer wieder auf herumreisende Werbeträger, Menschen, die sich sponsern lassen, um einen Teil ihres Weltreisebudgets damit zu finanzieren. Was zunächst lukrativ klingt, erleben reisende Werbeplakate auf der anderen Seite als große Belastung.

Sponsoren suchen ist für die Weltreise-Planung schwieriger, als manche glauben. Ich habe immer geglaubt, es gibt einige wenige „schwarze Schafe“ in der Branche. Meine Erfahrungen und die Klagen der Sponsorenträger stellen diese Annahme allerdings in Zweifel. Heute würde ich von wenigen „weißen Schafen“ sprechen, also Firmen, die aus der schwarzen, betrügerischen Masse hervorstechen und es tatsächlich gut mit dem wandelnden Werbeplakat meinen.

Für eine fünfzigteilige Artikelserie einer besonderen Reise bot eine Tageszeitung einem befreundeten Weltenradler eine einstellige Summe an: „0 Euro“. Ein bekannter Camping-Ausstatter erlaubte sich die Forderung bei einem Weltreise-Kollegen: täglicher Bilderupload und ein bis zwei Geschichten in Blogform, dazu regelmäßige Facebook-Aktivität und mindestens drei Videos plus ein großer Reisebericht pro Woche für einen Lohn von 300 Euro pro Monat. Er würde schließlich eine Chance vom Unternehmen erhalten, durch seine Artikel Ruhm zu erlangen. Sponsoren suchen ist nicht schwer, einen vertrauensvollen Sponsoren zu finden, dagegen sehr.

Aus gesammelten Erfahrungen kann ich nur den Rat geben, die Finger von derartigen Geschäften zu lassen. Keine Firma der Welt hat für einen „Urlauber“ – denn so wird der Weltreisende häufig von Daheimgebliebenen gesehen – auch nur einen Cent übrig. „Versuch macht kluch!“, sagte meine Omi immer. „Nö“, sag ich und reise weiter ohne Sponsoren zu suchen.

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