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Reise-Knigge – Verhaltensregeln auf Weltreise

In unserem Reise-Knigge liest Du über Benimmregeln auf Weltreise, also das Verhalten beim Reisen. Ähnlich wie einst Adolph Knigge seinen Benimmratgeber veröffentlichte, findest Du nun auch hier all das, was Du tunlichst unterwegs unterlassen solltest, um nicht anzuecken, und das, was Du unbedingt auf Weltreise machen solltest. Auch wenn ich vermeiden möchte, mit dem erhobenen Zeigefinger zu schreiben, passiert es vermutlich doch, dass sich der ein oder andere durch diesen Artikel bevormundet fühlt. Gut so!

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Inhaltsverzeichnis

1. Reise-Knigge-Regel: Du bist nicht Superman!

Als Weltreisender neigt man gern dazu, sich als etwas Besonderes zu sehen. Du bist es nicht! Millionen von Menschen reisen um die Welt. Du bist nur einer davon. Es sind die anderen Dinge, die das Weltreisen besonders machen.

Eine Weltreise ist ohne Suche bereits ein großes Abenteuer. Du musst nur die Augen öffnen und die Ohren spitzen. Begib Dich direkt in das Leben der Einheimischen! Denn dort lernst Du Dinge, die Du in Deiner Heimat vielleicht noch nie gehört, gesehen oder erlebt hast.

Weltreise Dos and Don'ts

Wer in Deutschland zum Beispiel stets mit dem Auto unterwegs ist, für den ist bereits der öffentliche Verkehr in New York City ein Abenteuer. Für den regelmäßigen Straßenbahnfahrer daheim werden die Chicken-Busse in Honduras (spanisch: Camioneta) zur ultimativen Belastungsprobe. Und für Weltreiseerfahrene ist die Fahrt auf dem Dach eines Minibusses vielleicht das große Abenteuer Weltreise.

Natürlich gibt es auch in diesen Ländern oft luxuriöse Alternativen. Aber der Verzicht auf den Luxus bringt so manche Erfahrung, die Du am Ende Deiner Reise unbedingt zu Hause erzählen musst, weil sie so einprägend war.

Weltreisende, die das erste Abenteuer Weltreise bereits hinter sich haben, berichten zumeist von ähnlichen Erlebnissen wie Raub, Grenzübergänge, gute und schlechte Erfahrungen mit Einheimischen, etc.

Natürlich sind wir ständigen Weltenbummler nach der zweiten oder dritten Reise schon etwas abgebrühter und trauen uns mehr zu. Haben wir das erste Mal beim Abenteuer Weltreise noch eine Dschungelwanderung mit einem Guide unternommen, so wagen wir uns Jahre voller Erfahrungen später, vielleicht ganz alleine oder mit einem guten Freund in den Dschungel.

Solche Abenteuer sind für Neulinge nicht anzuraten. Denn wie sagt man so schön: „Wenn es gut geht, ist es ein Abenteuer, wenn es schief geht, eine Katastrophe.“


2. Reise-Knigge-Regel: Sprachen auf Weltreise lernen

Volkskundler und Sprachwissenschaftler haben die Zahl der weltweiten Sprachen mit 6.809 beziffert. Zwei Drittel dieser Sprachen werden in den kommenden zwei Generationen aussterben, so die Prognose. Ein Schelm, der jetzt vorschlägt, mit der Weltreise zu warten, bis nur noch eine Sprache existiert. Bevor das passiert, hat sich der Mensch wohl bereits selbst ausgerottet.

Sprachen lernen

Die Fähigkeit zur Kommunikation ist mit Abstand der wichtigste Schritt hin zu einer gelungenen Weltreise. Denn wer die Sprachen auf Weltreise ansatzweise spricht, dem öffnen sich die Tore. Wer dagegen glaubt, mit Englisch und Deutsch die Welt erkunden zu wollen, dem verschließt sich so manche Pforte. Zumindest einige Wörter sollte man aus seinem jeweiligen Reiseland kennen. „Guten Tag“, „Auf Wiedersehen“, „Ja“ und „Nein“, vielleicht weitere 20 bis 30 Vokabeln. Und schon hat man bei den Einheimischen ein Stein im Brett. Auch höfliche Fragen nach dem Motto: „Wie wird denn dieses Wort in der Landessprache ausgesprochen?“ helfen weiter. Wer die Sprachen auf Weltreise lernt und während seiner Tour mit den Einheimischen kommuniziert, der wird unvergessliche Erfahrungen sammeln.

In Guatemala habe ich mein Spanisch vertieft. Guatemala ist eines der günstigsten und besten Reiseziele für Sprachschüler, um Spanisch zu lernen. Mit Spanisch als Sprache auf Weltreise öffnet sich fast ein ganzer Subkontinent von Mexiko bis Argentinien.

Die Auswahl an Sprachschulen ist in ganz Lateinamerika gigantisch. In fast jeder Stadt gibt es Dutzende Möglichkeiten für Anfänger und Fortgeschrittene. Doch als ich am wunderschönen Atitlansee in Guatemala ankomme, steht für mich fest: Hier lerne ich Spanisch!

Warum? Das türkisblaue Wasser des Kratersees, die grünen Hänge dreier Vulkane, die Ruhe und Gelassenheit der Menschen ziehen mich in ihren Bann. In einer derartigen Kulisse eine Sprache zu lernen, ist sehr motivierend. Außerdem zahle ich für einen Spanischkurs pro Woche weniger als 100 Euro.

Und so entscheide ich mich für San Pedro La Laguna als Sprachschulparadies. Für 100 Euro erhalte ich bei einem Privatlehrer in der San Pedro Spanish School fünf Stunden unterricht täglich, das ganze fünf Tage die Woche. Für nur wenige Euro mehr lebe ich sogar in einer Maya-Familie und bekomme drei Mahlzeiten pro Tag.

Persönliche Erinnerung: Ich ziehe in mein neues Zuhause für die kommenden sieben Tage – am Atitlansee. Ich wohne bei Mayas, esse und feiere mit ihnen und koche ein gemeinsames Süppchen – eine komische Vorstellung. Doch als mich Francisco und Paulina, meine Mayaeltern, begrüßen, fällt jeder Zweifel ab. Hier bin ich willkommen!

Sprachen lernen bei Mayas

Das ältere Pärchen wohnt in einem gepflegten Haus nahe meiner Schule und vermietet schon seit Jahren Zimmer an die Schüler. Paulina nimmt mich herzlich in die Arme. Zuallererst bringt sie mich in das Zimmer. Es ist schlicht eingerichtet. Ein großes Bett, ein Schreibtisch und ein Spiegel. Dafür ist die Eingangstür mit wilden Mayamustern versehen. Wie mystisch. Wenn ich aus dem Fenster blicke, schaue ich direkt auf den Atitlansee und auf den San Pedro Vulkan. Ein Ort zum Träumen.

In San Pedro reden die Einwohner Tz‘utujil. Francisco erklärt mir die Sprache. Wenn ich morgens an den Frühstückstisch komme, muss ich sagen: „Saqari“ – das heißt: „Guten Morgen!“ Wichtig ist auch das Wort: „Maltyoox“. „Danke!“ In der San Pedro Sprachschule, wo ich morgen anfange zu lernen, kann man auch das Tz‘utujil lernen, rät Francisco. Im Nachbarort kommt man mit den Wörtern aber nicht weiter, erklärt er weiter. Tz‘utujil verstehen nur die Einwohner von San Pedro.

Rund um den Atitlansee werden rund 50 Sprachen gesprochen. Da versteht keiner den anderen. Ich begnüge mich mit dem Spanischlernen und präge mir ein paar Phrasen aus der Sprache der Tz‘utujil ein. Ein Lächeln empfange ich jeden Morgen, wenn ich sage: „Saqari!“


3. Reise-Knigge-Regel: Ausländische Küche achten

Ein Wiener Schnitzel steht auf zahlreichen Speisekarten im Ausland. Manchmal gibt es sogar Bratwürstchen und ein deutsches Bier dazu. Kuriositäten à la „Bayrisches Restaurant“ im Outback in Australien findest Du auf Weltreise überall. Meist sind die Besitzer solcher Lokalitäten auch Deutsch und können Dir wertvolle Insider-Informationen zur Region geben.

Auslaendische Kueche

Solche Ausflüge sollten allerdings Ausnahmen bleiben. Denn die ausländische Küche von Südamerika bis Asien hat jede Menge Schmankerl zu bieten. Maden in Thailand, Ameisen in Kolumbien, Termiten in Costa Rica (Foto) sind die Extremfälle. Der gewöhnliche Gaumen erfreut sich an chinesischen Nudelsuppen mit viel Gemüse, Fisch und anderen Meerestieren, Maniokwurzeln und exotischen Gemüsesorten.

Die ausländische Küche sollte Dein Testgebiet werden. Dann wirst Du auch viele neue Geschmackserlebnisse von Deiner Weltreise mit nach Hause bringen. So war es schon vor Hunderten Jahren, als die Weltumsegler in ferne Länder kamen. Manch Pflanze, wie die Kartoffel, brachten sie erst mit nach Europa und kultivierten sie hierzulande. Sei auch ein Missionar und probiere Couscous, Biryani und Quinoa!

Waschbären-Rezept

Waschbären werden in vielen Kulturen gegessen. Seitdem Kassel und andere deutsche Städte ein Problem mit den Waschbären haben, landen sie auch bei uns viel häufiger im Kochtopf, als so mancher vermutet.

Waschbär Rezept

Toter Waschbär wird gleich gekocht!

Zutaten:

  • 1 kg Waschbärenfleisch (gewürfelt)
  • 2 bis 3 Zwiebeln
  • 500 Gramm passierte Tomaten
  • Lorbeerblätter
  • Worcestersoße
  • Möhren
  • Kartoffeln
  • Kohlrabi

Zubereitung:

Das Waschbärenfleisch zunächst leicht anbraten, anschließend in einen Ofen zwei Stunden bei 150 Grad garen lassen. In den letzten 20 Minuten Zwiebeln hinzugeben. Jetzt die Hitze abmildern und Tomaten hinzugeben. Anschließend den gebackenen Waschbären herausnehmen und in einen Topf umschütten. Nun ausreichend Wasser hinzukippen und die restlichen Gemüse hinzufügen. Alles noch einmal eine Stunde köcheln lassen. Die Lorbeerblätter und die Worcestersoße geben wir in den letzten dreißig Minuten hinzu. Danach ist der Eintopf fertig. Guten Appetit!


4. Reise-Knigge-Regel: Teilen und Handeln

In unserer Gesellschaft hat sich der Egoismus wie eine Epidemie verbreitet. Doch das ist nicht überall so. Es gibt in dieser Welt Regionen, in denen die Menschen gelernt haben zu teilen, weil sie sonst nicht überleben könnten. Als Weltreisender solltest Du Dich als kleiner Teil dieser teilenden Gesellschaft betrachten und nicht nur als Beobachter, der über den Dingen steht.

Mitmenschen auf Weltreise

Teilen und Handeln lernen gehen Hand in Hand. Wer sein Eigentum mit anderen Menschen genießen kann, der teilt. Und wer über einen Handel an das Eigentum anderer Menschen herankommen möchte, der muss fair Handeln können, damit sein Gegenüber dieses Teilen auch genießen kann. Fairness ist das oberste Gebot auf Weltreisen!

In Indien habe ich begriffen, was Teilen und Handeln bedeutet und habe mein Leben komplett neu überdacht. Denn die Armut in vielen Regionen ist für uns behütete Schäfchen nicht vorstellbar.

Fast 100.000 Dollar-Millionäre leben in und um Mumbai. Doppelt so viele sind es im ganzen Land. 0,015 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Vor allem denen in Armut lebenden Kindern wird das Leben in Indien schwer gemacht. Sie stehen reihenweise an der Straße und betteln. Manche stehlen. Wenn Du Kindern etwas geben willst, dann kein Geld! Einen Apfel, eine Banane, etwas zu essen – das füllt hungrige Kinderbäuche.

Teilen lernen

Ob Du am Ende Deiner Weltreise eine Lektion in Sachen Teilen und Handeln gelernt hast, wird daran liegen, wie offen Du Dich zeigst und wie Du reist. Wer im klimatisierten Bus unterwegs ist, wird nie die Geheimnisse der Menschen anderer Kulturen und deren Sichtweisen kennenlernen. Hingegen ist eine Eisenbahnfahrt in der Holzklasse (Sleeper Class) in Indien ein augenöffnendes Erlebnis, was Du nicht vergessen wirst. Probiere es aus, dann weißt Du, was ich meine!

Wer sich unterwegs auf seiner Weltreise nicht mit teilenden Kulturen befasst, der wird auch nicht als teilendes Individuum angesehen. Ganz im Gegenteil: Als Flashpacker (auch Luxus-Backpacker) wirst Du oft nicht begreifen, wie Du mancherorts abgezockt wirst. Denn in einigen Regionen ist es gang und gäbe, Dir das Geld aus der Tasche zu ziehen. Du wirst als goldene Eier legende Gans betrachtet. Deshalb ist ein gewisses Verhandlungsgeschick gefragt. Wer darin ungeübt ist und sich an den Maßstäben der Heimat richtet, wird allzu oft frustriert vom Markt oder aus den Geschäften gehen und das Gefühl haben, stets zu viel für eine Leistung oder ein Produkt bezahlt zu haben.

Waisenkinder in Mumbai

Fair Handeln und fair Behandeln

Ein Tipp am Rande: Bezahle nur das, was Dir das Produkt wirklich wert ist. Ein T-Shirt kostet in Deutschland zwischen 20 und 40 Euro. In Asien kostet es an Marktständen häufig nur ein bis fünf Euro. Natürlich wird Dir der Händler einen überhöhten Preis als Diskussionsgrundlage nennen. Doch eine Regel, die man größtenteils beherzigen kann, ist: Ziehe mindestens 50 Prozent vom genannten Kaufpreis ab und Du liegst auf einem fairen Niveau für Dich als Käufer, aber auch für den Verkäufer. Verhandlungskünstler raten auch zu noch höheren Preisreduktionen. So probiere auch ich es meist mit 90 Prozent und warte die Reaktion des Verkäufers ab. Wenn sein Lächeln verschwindet, habe ich alles richtig gemacht oder muss ich noch einmal darüber nachdenken, ob ich den Verkäufer nicht in den Ruin treibe. Meine Intuition wird es mir sagen.

Dieses Prinzip funktioniert leider nicht im Taxi oder in einem Restaurant, die mit erhöhten Preisen für Touristen aufwarten. Vor einer Taxifahrt solltest Du Dich bereits im Vorfeld erkundigen, was die Strecke kostet und beharrst darauf, wenn Du in ein Taxi ohne Taximeter steigst. Ist ein Taximeter an Bord, verlange, dass der Taxifahrer es einschaltet. Dann solltest Du aber auch darauf achten, dass Dich der Fahrer auch auf direktem Wege zu Deinem Ziel bringt und nicht eine komplette Stadtrundfahrt anbietet.

Fair handeln

Als ich einmal in Indien unterwegs war und in ein Taxi stieg, da brachte mich der Fahrer anstelle zu meinem Ziel, das nur zehn Minuten entfernt lag, erst zu einer Tankstelle, an der er mich bat, ihm das Benzingeld vorzuschießen. Weil ich das negierte, verbrachte er aus Gnatz die Zeit damit, den Reifendruck und das Öl zu checken. Anschließend fuhr er eine Extrarunde über den Bahnhof. Dort wollte er weitere Passagiere einladen. Da ich Gepäck an Bord des Taxis hatte, widersprach ich der Forderung, weitere Gäste in den Wagen zu lassen. Es kam zum Streit vor einer versammelten Schar von potenziellen Fahrgästen und weiteren Taxifahrern. Ich blieb ruhig in seinem Auto sitzen, während er lauthals die Polizei rufen wollte. „Mach doch!“ Nach zehn Minuten musste der Fahrer einsehen, mich einfach nur an mein gewünschtes Ziel zu bringen. Das Taximeter war nach gut 40 Minuten auf eine anständige Summe angestiegen. Als ich endlich dort war, wo ich hätte vor einer halben Stunde bereits seien sollen, verlangte der Fahrer tatsächlich den angezeigten Preis. Natürlich bist Du in einem solchen Fall nicht verpflichtet die gesamte Summe zu zahlen, auch wenn das Gesicht des Taxifahrers von Dunkelbraun nach Tiefrot wechselt. Ruhig bleiben, heißt die Devise. Ich zahlte ihm einen angemessenen Preis für eine Zehnminutenfahrt und bedankte mich für die kleine Stadtrundfahrt.

Tuktuks auf Weltreise

In Restaurants werden dir ebenso fantastische Preise präsentiert. Meist in den englischsprachigen Menüs. Denn die werden nur den Touristen vorgelegt. Verlange eine Karte in der Landessprache oder gehe eigenständig zum Stapel, wo die Menüs ausliegen. Du wirst staunen, wie so manches Mal weitaus niedrigere Preise in den Menüs der Landessprache zu finden sind. Auf diese Preise kannst Du Dich dann berufen. Ohne einen Konflikt wird auch so eine Situation nicht ausgehen. Wer zartbesaitet ist, der sollte das Restaurant im Handumdrehen verlassen, solange er noch nichts bestellt hat.

Die Liste der Betrügereien an Reisenden ist nahezu unendlich. Jeder Reiseführer, jede Internetseite des jeweiligen Landes, jeder andere Tourist kann Dich über Fallen aufklären: vom Taxifahrer, der sich als Provisionen erhaschender Touristenführer entpuppt, bis hin zum „Freund“, der Dir beim Grenzübertritt helfen möchte und dafür Dutzende Dollar kassiert.

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